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 Viele Fragen bei der neuen PPWR

PPWR: EU-Verpackungsverordnung > Neue Spielregeln für Faltschachteln!

PPWR! Noch sind viele Details unklar! Was ändert sich in der Verpackungsbranche und was betrifft uns als Hersteller von Faltschachteln? Was bedeutet die neue PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation)? Für Hersteller, Inverkehrbringer und Markenunternehmen entstehen neue Anforderungen an Nachhaltigkeit, Recyclingfähigkeit, Materialeinsatz und Dokumentation. Als Faltschachtelhersteller entwickeln und produzieren wir kundenspezifische Verpackungslösungen aus Vollkarton. Gleichzeitig ist es wichtig, Zuständigkeiten klar zu definieren und unsere Rolle als Druckdienstleister zu benennen. Versuchen wir nun etwas Licht ins Dunkel zu bringen!

Was ist die PPWR?

Die PPWR (Packaging and Packaging Waste Regulation) ist die neue EU-Verpackungsverordnung und ersetzt perspektivisch die bisherige Verpackungsrichtlinie. Ziel ist es, Verpackungsabfälle europaweit zu reduzieren, Recyclingquoten zu erhöhen und die Kreislaufwirtschaft verbindlich zu stärken. Im Gegensatz zur bisherigen Richtlinie gilt die Verordnung unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten – nationale Sonderregelungen werden deutlich reduziert.

Zentrale Ziele der PPWR: Reduktion von Verpackungsabfällen - Förderung recyclingfähiger Verpackungen - Erhöhung des Rezyklateinsatzes - Minimierung von Überverpackung - EU-weite Harmonisierung der Anforderungen!

Aktueller Stand der PPWR und Zeitplan der PPWR!

Die PPWR wurde auf EU-Ebene verabschiedet und befindet sich nun in der Umsetzungsphase. Die Verordnung wurde am 22.01.2025 im Amtsblatt des Europäischen Parlaments veröffentlicht und ist am 11.02.2025 in Kraft getreten. Unternehmen müssen sich frühzeitig vorbereiten, da die Anforderungen schrittweise in Kraft treten. 

Wichtig: Es gelten Übergangsfristen, aber bereits heute können PPWR-Anforderungen den Entwicklungsprozess neuer Faltschachteln beeinflussen. Die Umsetzung erfolgt stufenweise, voraussichtlich ab August 2026.  Sie ersetzt die bestehende Richtlinie über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Wesentliche Meilensteine:

  • 2025–2026: Inkrafttreten der Verordnung und erste verbindliche Anforderungen
  • Ab 2030: Verpackungen müssen recycelbar sein - min. 70% des Materials muß wiederverwertbar sein
  • Bis 2035: Erreichen definierter Recyclingquoten - Weitere Verschärfungen möglich

PPWR - Wichtigste Fakten auf einen Blick!

  1. Recyclingfähigkeit als Pflicht

    Verpackungen müssen so gestaltet sein, dass sie recyclingfähig sind. Maßgeblich ist die tatsächliche Sortier- und Verwertbarkeit im industriellen Maßstab.

  2. Design-for-Recycling

    Bereits im Entwicklungsprozess muss Recycling berücksichtigt werden:

    Materialtrennung - Verzicht auf Störstoffe - Reduktion von Verbundmaterialien

  3. Minimierung von Verpackungsvolumen

    Überdimensionierte Verpackungen werden regulatorisch eingeschränkt. „Leervolumen“ soll reduziert werden.

  4. Kennzeichnung & Dokumentation

    Erweiterte Informations- und Nachweispflichten für Hersteller und Inverkehrbringer.

  5. Erweiterte Herstellerverantwortung (EPR)

    Hersteller tragen verstärkt Verantwortung für den gesamten Lebenszyklus ihrer Verpackungen.


PPWR - Rollenverteilung: Wer trägt welche Verantwortung?

Rohstoffhersteller

Materialzusammensetzungen - Rezyklatanteile - Materialkonformitäten

Verpackungshersteller (z. B. Faltschachtelhersteller)

Konstruktion und technisches Design - Auswahl geeigneter Materialien - Produktionskonformität - Bereitstellung technischer Spezifikationen

Markenhersteller / Inverkehrbringer

Rechtliche Gesamtverantwortung für die Verpackung - Registrierung und Systembeteiligung - Nachweisführung gegenüber Behörden - Konformitätserklärung - Marktbereitstellung

Der Handel

Einhaltung von Vertriebsanforderungen - Unterstützung bei Rücknahme - Mehrwegsystemen

Unsere Rolle als Druckerei für Faltschachteln aus Vollkarton!

Als Entwickler und Produzent von Faltschachteln aus Vollkarton im Kundenauftrag übernehmen wir eine technisch-gestalterische Rolle – keine rechtliche Gesamtverantwortung. Als Druckdienstleister entwickeln, drucken und produzieren wir Faltschachteln aus Vollkarton im Kundenauftrag. Kundenwünsche in Form von Faltschachtelart, Faltschachtelgröße, Materialwunsch, Bedruckung und Veredelung setzen wir wirtschaftlich um und übernehmen hier eine beratende Rolle z.B. für die Wahl des geeigneten Materials, wobei die endgültige Entscheidung bei unseren Kunden liegt! Was wir leisten können:

1. PPWR-konformes Verpackungsdesign

  • Entwicklung recyclingfähiger Faltschachteln
  • Reduktion von Materialeinsatz
  • Optimierung von Stanzfigürlichkeiten
  • Vermeidung problematischer Materialkombinationen

 

3. Technische Dokumentation

  • Spezifikationen zur Materialzusammensetzung
  • Angaben zu Grammaturen
  • Produktionsbezogene Daten

2. Materialberatung im Rahmen unserer Expertise

  • Auswahl geeigneter Vollkartonsorten
  • Hinweise zu Recyclingfähigkeit
  • Empfehlungen zu Druckfarbe, Lack und Veredelung

 

 

4. Optimierung bestehender Verpackungen

  • Prüfung bestehender Faltschachteln
  • Identifikation von Optimierungspotenzial
  • Ideen zur Materialeinsparung

Klare Grenzen unserer Beratung als Faltschachtelhersteller!

So wichtig unsere beratende Funktion ist - es gibt klare Grenzen! 

- Wir übernehmen keine rechtliche Beratung
- Keine Übernahme der Herstellerverantwortung nach PPWR
- Keine Registrierung oder Meldung bei Behörden
- Keine Erstellung rechtsverbindlicher Konformitätserklärungen

Die rechtliche Verantwortung liegt immer beim Inverkehrbringer. Wir verstehen uns als technischer Entwicklungspartner – nicht als regulatorischer Verantwortlicher.


Worauf Hersteller und Inverkehrbringer jetzt achten sollten!

1. Bestehende Faltschachteln prüfen

  • Sind sie recyclingfähig nach aktuellem Stand?
  • Enthalten sie problematische Beschichtungen oder Verbunde?
  • Ist das Verpackungsvolumen optimiert?

 

3. Dokumentation systematisch aufbauen

  • Materialspezifikationen sammeln
  • Lieferantenerklärungen einholen
  • Interne Compliance-Prozesse etablieren

2. Neue Verpackungen „PPWR-ready“ entwickeln

  • Design-for-Recycling von Anfang an berücksichtigen
  • Materialkombinationen reduzieren
  • Sortierfähigkeit sicherstellen

 

4. Frühzeitig mit Entwicklungspartnern sprechen

  • Material einsparen
  • Konstruktionen optimieren
  • Spätere Redesign-Kosten vermeiden

Faltschachteln aus Vollkarton bieten im Kontext der PPWR strukturelle Vorteile! Sie haben eine hohe Recyclingfähigkeit im Papierkreislauf und es bestehen jetzt schon etablierte Sammel- und Verwertungsstrukturen. In den meisten Fällen sind Monomaterial-Lösungen möglich und bieten eine gute CO₂-Bilanz im Vergleich zu vielen Kunststofflösungen. Voraussetzung ist jedoch ein durchdachtes Verpackungsdesign! 

In der Zukunft solllen harmonisierte Kennzeichnungsvorgaben entstehen. Dann müssen Verpackungen einheitliche EU-Entsorgungslabels tragen, denn Verbraucher sollen klar erkennen können aus welchem Material die Verpackung besteht und in welche Sammelfraktion sie gehört. 

Fazit: Die PPWR ist kein Risiko – sondern eine strategische Chance!

Die PPWR bringt regulatorischen Druck – aber auch große Chancen für nachhaltige Verpackungslösungen.

Unternehmen, die jetzt handeln:

  • sichern sich Wettbewerbsvorteile
  • vermeiden spätere Umstellungskosten
  • positionieren sich als nachhaltige Marke

 

Als Faltschachtelhersteller für kundenspezifische Verpackungen aus Vollkarton verstehen wir uns als technischer Sparringspartner auf dem Weg zur PPWR-konformen Verpackung. Wir unterstützen bei:

  • der Entwicklung neuer Faltschachteln
  • der Optimierung bestehender Verpackungen
  • der Material- und Konstruktionsauswahl
  • der nachhaltigen Verpackungsstrategie

 

Die Verantwortung bleibt beim Inverkehrbringer – die technische Umsetzung begleiten wir kompetent, transparent und praxisnah!


Jetzt wird es konkreter! Es geht um die Faltschachtel!


PPWR: Folienkaschierung und Heißfolienprägung überdenken!

Durch die neuen PPWR-Anforderungen in Bezug auf Recyclingfähigkeit von Verpackungen rücken auch Druckveredelungen wie Folienkaschierungen und Heißfolienprägungen stärker in den regulatorischen Fokus. Gerade bei hochwertigen Faltschachteln aus Vollkarton – beispielsweise für Kosmetik, Pharma, Genussmittel oder Premiumprodukte – spielen Veredelungen eine zentrale Rolle für Markenwirkung und Differenzierung am Point of Sale. Gleichzeitig müssen sie künftig noch stärker unter dem Aspekt „Design for Recycling“ bewertet werden.

Eine Folienkaschierung, unabhängig davon, ob wir von einer Glanzfolie, Mattfolie, Softtouch-Folie oder auch kratzfesteren Spezialfolien sprechen, sorgt neben der Optik auch noch für eine erhöhte Stabilität, eine besondere Haptik und einen gewissen Schutz vor Feuchtigkeit und Abrieb. Die Herausforderung unter der PPWR ergibt sich durch den entstehenden Materialverbund aus Papierfaser und Folie

Das kann zu erschwerter Fasertrennung im Recyclingprozess führen und evtl. die Recyclingfähigkeit herabstufen. Es könnte also sein, dass eine folienkaschierte Faltschachtel schlechter eingestuft wird als eine unkaschierte Vollkartonschachtel! Man sollte sich die Frage stellen: Ist die Folienkaschierung funktional zwingend notwendig oder gibt es eine alternative Schutzlackierung!

Eine Heißfolienprägung in goldener, silberner oder auch bunter Ausführung, dient in den meisten Fällen dazu, Logos, Schriftzüge oder dekorative Akzente zu setzen und die Faltschachtel wertiger erscheinen zu lassen. Sicherlich ein ganz wichtiger Designaspekt, aber wie könnte es unter dem Blickwinkel der PPWR aussehen? In der Regel handelt es sich bei Heißfolienprägungen um partielle Veredelungen mit sehr geringem Materialauftrag, wodurch sie im Recyclingprozess einen nur sehr kleinen Einfluss hat, da es sich nicht um eine flächige Kunststoffbarriere handelt.

Gut zu wissen! Der Transferprozess bei einer Heißfolienprägung hinterläßt auf der Faltschachtel nur eine extrem dünne Dekorschicht, die beispielsweise nur 0,00002 mm dick ist. Das ist ungefähr 6000x dünner als ein Haar!

PPWR: Die Faltschachtelgröße: Minimierung von Leeraum

Die PPWR fordert eine klare Reduzierung von überdimensionierten Verpackungen. Ungeachtet dessen, dass es schon immer unser Anspruch war, Faltschachteln optimal zu entwickeln, bedeutet das für uns in der Faltschachtelentwicklung, eine mögliche Optimierung der Innenmaße auf das tatsächliche Produkt, eine Reduktion von „Luft“ in der Verpackung, exakte Anpassung von Konstruktion und Zuschnitt und eine effiziente Materialausnutzung. Zu große Verpackungen könnten künftig nicht nur als ökologisch problematisch gelten, sondern können auch regulatorisch beanstandet werden. 

Neben diesen wichtigen Kriterien, sollte ein Produktschutz aber nach wie vor oberste Priorität haben und so wählen wir die optimale Materialqualität und Materialstärke in Bezug auf Faltschachtelkonstruktion und Faltschachtelgröße. Ganz nach dem Motto: So wenig Leerraum wie möglich, so viel Faltschachtel wie nötig!

PPWR: Foliensichtfenster in Faltschachteln

Foliensichtfenster sind ein typisches Gestaltungselement bei Faltschachteln. Sie ermöglichen dem Endkunden einen direkten Blick auf das Produkt und steigern Vertrauen sowie Kaufanreiz – insbesondere im Lebensmittel-, Kosmetik- oder Non-Food-Bereich. Mit der Einführung der PPWR geraten jedoch auch Sichtfensterlösungen stärker in den Fokus – insbesondere im Hinblick auf Recyclingfähigkeit und Materialverbunde. Ein klassisches Foliensichtfenster besteht aus einem Stanzfenster im Karton und einer eingeklebten Kunststofffolie. 

Damit entsteht ein Materialverbund aus Papierfaser und Kunststoff. Je nach Größe, Verklebung und Recyclinginfrastruktur kann dies die Sortierung erschweren, den Faserstoffkreislauf beeinträchtigen und die Recyclingbewertung der gesamten Verpackung verschlechtern. Die PPWR fordert jedoch ausdrücklich recyclingfähige Verpackungen – möglichst als Monomaterial oder mit leicht trennbaren Komponenten.

Nicht jedes Foliensichtfenster muß automatisch problematisch sein. Entscheidend ist der Flächenanteil der Folie, die Art des Kunststoffs und der Verklebungstechnik und zuletzt die Ablösbarkeit im Recyclingprozess. Kleinere Fenster können in vielen Fällen tolerierbar sein. Großflächige Folienfenster hingegen können die Recyclingfähigkeit signifikant reduzieren. 

Auf jeden Fall sollte man die richtige Folie wählen, wie z.B. eine Cellulosediacetat-Folie. Sie ist glasklar, unbehandelt, bietet einen natürlichen Antifog-Effekt, ist lebensmittelkonform, plastikfrei zertifiziert bis 115 µm, kompostierbar nach DIN CERTCO DIN EN 13432, OK compost zertifiziert, PEFC zertifiziert und OK biodegradable WATER zertifiziert.

Trotz aller hier genannten Details ist es wichtig sich nicht in Panik zu versetzen, sondern die aktuellen Faltschachteln und die zukünftigen Verpackungen in Bezug auf die neue PPWR zu überdenken. Noch ist vieles nicht zu 100% klar und weitere Fakten werden in Zukunft geschaffen. Die konkrete Bewertung hängt vom jeweiligen Recyclingstandard und der zukünftigen Ausgestaltung der PPWR-Anforderungen ab! Unter dem Begriff “Design-for-Recycling” muß die einzelne Veredelung neu gedacht werden und es gilt in der Zukunft sicherlich um so mehr: Reduktion statt Maximierung, gezielte, sparsame Akzente, funktionale Notwendigkeit und ein recyclinggerechtes Verpackungsdesign!

“Ja, durch die PPWR verändert sich die Faltschachtelentwicklung und Faltschachtelproduktion, wobei längst noch nicht alle Details bis zur perfekten Wandlung bekannt sind. Es bleibt also spannend! Wir hoffen, dass wir Ihnen mit diesem Beitrag einen ersten Einblick verschaffen konnten und bleiben weiter am Ball!”

Björn Kleine-Döpke

Björn Kleine-Döpke

Ihr Verpackungsexperte


Die Autoren

Das KIP Blogger Team berichtet über aktuelle Trends, neue Produkte und technische Möglichkeiten aus dem Bereich der Druckindustrie.

Björn Kleine-Döpke &
Nico Plassmann

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